Read Die Römer im Chattenland: Spuren römischer Präsenz in Nordhessen by Udo Schlitzberger Online

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In der r mischen Kaiserzeit vor 2.000 Jahren war das nordhessische Kernland der Chatten wiederholt Aufmarsch und Kampfgebiet r mischer Feldherren Unter dem Befehl von Drusus, dem Stiefsohn des Augustus, marschierten r mische Legionen 9 v Chr von Mainz durch Nordhessen bis zur Elbe.Dessen Sohn Germanicus berfiel 15 n Chr mit zehntausenden Legion ren in einem Rachefeldzug sechs Jahre nach der Varusschlacht den kampfstarken Stamm der Chatten Er zerst rte deren Kult und Siedlungskern mattium und verw stete das gesamte Chattenland Die Spuren dieser massiven r mischen Pr senz in Nordhessen sind bislang kaum erforscht.In diesem Buch werden r mische Marschwege, Lagerpl tze und Nachschubtrassen in Nordhessen und dessen Nachbarregionen durch die systematische Kombination r mischer Geschichtsschreibung und arch ologischer Funde und Befunde mit historischer Altstra enforschung, geod tischen Informationssystemen und aktueller Airborne Laserscan Technik rekonstruiert Aus dieser interdisziplin ren Verkn pfung resultieren sowohl neue historische Erkenntnisse als auch interessante Impulse f r k nftige arch ologisch historische Diskurse und Untersuchungen....

Title : Die Römer im Chattenland: Spuren römischer Präsenz in Nordhessen
Author :
Rating :
ISBN : 3933617669
ISBN13 : 978-3933617668
Format Type : Other Book
Language : Deutsch
Publisher : euregioverlag 1 Mai 2017
Number of Pages : 120 Seiten
File Size : 785 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Die Römer im Chattenland: Spuren römischer Präsenz in Nordhessen Reviews

  • Elmar
    2019-04-11 04:53

    Im Auftrag von Helmut Saehrendt veröffentliche ich hier folgende Kritik:Es ist ein optisch ansprechend angefertigtes Buch. Die Reproduktionen der Abbildungen sind gut gelungen. Unter ihnen sind auch solche mit interessanter Aussagekraft. Der verständliche Text auf halbglänzendem Papier abgedruckt liest sich gut. Ohne Zweifel zeigen die Autoren mit ihm, dass sie sich in der hier vorliegenden Thematik einen guten Überblick erarbeitet haben.Aber auch Einzelheiten des Textes müssen angesprochen werden. Ob es nicht zu blauäugig ist anzunehmen, dass eine Volkshochschulgruppe trotz, wie hier geschehen, aller guten Absichten und einer nicht minder guten umfassenden Organisation überhaupt in der Lage ist, echte Lücken des Forschungsstandes zu schließen, bleibt leider für mich eine offene Frage. Für die beiden Autoren spricht, dass sie auch für moderne Forschungsmittel aufgeschlossen sind, wie für Airborne-Laserscanning und römische Sandalennägel.Der Weg, den Drusus auf seinen Zügen von der Lipperegion in unsere Region und umgekehrt zurückgelegt haben soll, wird auf Kartenausschnitten vollständig und exakt angegeben. Er führt aus dem Kasseler Becken heraus zu den Orten der heutigen Städte Zierenberg und Warburg zur Diemel hin und weiter nach Westen auf dem Haarstrang. Was berechtigt aber zu einer solch' exakten Linienführung? Hier zu verwendende Karten aus der damaligen Zeit sind nicht erhalten, wenn sie überhaupt angefertigt wurden. Die von den römischen Legionen außerhalb des römischen Reiches benutzten Wege waren auch keineswegs befestigte über weite Strecken verlaufende Straßen. Stattdessen suchten sich die Römer irgendwie gangbare Wege. Dabei müssen einmal ausgewählte Wegabschnitte nicht auch beim nächsten Mal verwendet worden sein. Viele Gründe, die heute zum allergrößten Teil nicht mehr bekannt sind, werden da die Entscheidungen für die Wegauswahl im Einzelnen beeinflusst haben. Oft wie auch in dem vorliegenden Buch wird von bekannten Fernstraßen des Mittelalters her versucht, den Verlauf der seinerzeit vom römischen Militär benutzten Wege zu ergründen. Sicherlich eine im Grunde genommen akzeptierbare Methode. Man darf sie aber auch nicht überbewerten. Sie kann nur zu einer topographisch und siedlungsgeographisch bedingten Verdichtung von Verkehrsströmen führen. Schlitzberger und Fröhlich suchen für ihre Route vom Kasseler Großraum zur Lipperegion und damit zum Niederrhein archäologische Beweise. Allerdings sind die angegebenen nicht stichhaltig bzw. nicht so überzeugend. Beim Römerlager Kneblinghausen gibt es in der Interpretation bekanntlich viele Fragen. Auch ist keineswegs gesichert, dass es zu Drusus Zeiten überhaupt schon bestand. Bei der mittelalterlichen Burg Laar wurden Spitzgräben festgestellt. Aber diese müssen nicht einen römischen Ursprung beweisen. Und das „Erdwerk“ bei Bühne, in dem zwei Pilumspitzen gefunden wurden, kann auch nicht weiterhelfen, da es von der entworfenen Wegtrasse zu weit entfernt ist. So bleiben für den Verlauf dieses Römerweges alleine die topographischen Gegebenheiten der Landschaft. Mit anderen Worten: Es handelt sich hier um eine reine Hypothese. Auf diese nun eine weitere Hypothese aufzusetzen, geht nun gar nicht. Auf dem Rückweg sollen die Legionäre des Drusus beim Anstieg auf das Eggegebirge im engen Schwarzbachtal von germanischen Kriegern überfallen worden sein, die ihnen erhebliche Verluste zufügten. Abgeleitet wird dies von dem von den Römern überlieferten Ortsnamen Arbalo, von dem ein Bezug zum Namen Schwarzbach konstruiert wird, eine Begründung, die viel zu unsicher ist. All' das wird noch mit der Interpretation eines künstlichen völlig unerforschten bei Kleinenberg liegenden Hügelchens getoppt. Die Verfasser vermuten, dass dieser von Drusus-Legionen als „Begräbnishügel gefallener Legionäre“ oder als „Erinnerungsstätte an den glücklich überwundenen Hinterhalt von Arbalo“ errichtet wurde (!).Die Autoren des Buches sehen die römische Anlage bei Hedemünden als den Sterbeort des Drusus, wohin sein Bruder Tiberius geeilt war und ihn dort noch lebend antraf. Sie begründen dies auch. Allerdings ist dieser Gedanke nicht neu, er wurde schon vor Jahren geäußert und auch publiziert. Jetzt wird diese Geschichte noch mit einem nicht uninteressanten Zusatz pfiffig versehen: Selbstverständlich sei der todkranke Drusus in das wichtigste Gebäude des Lagers, in die mutmaßliche Prinzipia, gebracht worden, wo er gepflegt wurde und schließlich auch verstorben sei. Als Todesort des bei seinen Legionären so geschätzten und geliebten Feldherren sei nun dieses Gebäude verflucht und verhasst worden und daher von den Römern selbst in Brand gesteckt worden. Damit gäbe es auch eine Erklärung für die Annahme von Klaus Grote, dass zwar der Zentralbau durch Feuer zerstört worden sei, nicht jedoch das Lager, in dem er stand. Ist diese Geschichte aber für die Forschung zu schön, um wahr zu sein?Wiederholt wird von den Aussagen des antiken Geschichtsschreibers Cassius Dio ausgegangen. Ihn gewissermaßen als Kronzeugen zu nutzen, war eine gute Entscheidung, da dieser ganz im Unterschied zu anderen Historikern des Altertums recht zuverlässig schrieb. Und zur Klarstellung: Nemaususmünzen sind wegen ihres Materials nicht wertvoll, wohl aber für die Forschung, da bei ihnen, werden sie gefunden, die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass sie von römischen Militär an der gleichen Stelle verloren wurden. So legen die beiden im Kasseler Stadtgebiet geborgenen Nemaususmünzen die einstige Anwesenheit von römischen Legionären im Kasseler Becken recht nahe.Die Thematik, die sich aus der Überlieferung von Mattium als Hauptort der Chatten durch Tacitus ergibt, stellen die Buchautoren fein dar, wobei sie sich auf das Wesentliche konzentrieren und Problematisches gut herausarbeiten. Die Verwendung des „Atlas der Oikumene“ von Ptolemaeus bei Fragen, die sich in unseren Breiten auf Orte beziehen, die nicht oder nur kurz dem römischen Reich angehörten, halte ich nach meinen Erfahrungen jedoch für äußerst problematisch. Das „Weser-Diemel-Dreieck“ an der Oberweser ist ohne Zweifel ein historisch in verschiedenen Epochen interessantes und auch wichtiges Gebiet. Es wäre allerdings schwer verständlich, das Machtzentrum der Cherusker hier im Grenzbereich ihres Gebietes annehmen zu wollen und nicht weiter im Norden ebenfalls an der Weser. Bei dieser Frage sollte man bei der traditionellen Vorstellung bleiben. So auch bei der Lokalisierung des Varus-Lagers im Sommer 8 n. Chr., das wohl in der Nähe des Sitzes des Cheruskerfürsten Segestes errichtet worden war, zu dem der Römer bekanntlich ein freundschaftliches Verhältnis pflegte. Unsere Buchautoren führen an, dass die Gründungsmaße des bei Bad Karlshafen liegenden Helmarshausen auf in der Varus-Armee üblichen Maße in der Anlage von Lagern zurückginge. Sie geben aber gleichzeitig zu, dass dies rein zufällig so sein könnte. Die Grenze zur Spekulation überschreiten Schlitzberger und Fröhlich ganz eindeutig, indem sie der Sieburg eine römische Vergangenheit geben. So habe Varus im Sommer 8 n. Chr. hier einen Teil seiner Truppen untergebracht. Außerdem sei der Römerfreund Segestes persönlich mit Anhang auf der Sieburg von Arminius gefangen gehalten und dann von Germanicus befreit worden. Irgendwie belastbare Beweise für diese Annahmen gibt es nicht. Dennoch wurden übrigens schon seit vielen Jahren diese Behauptungen von Herrn Schlitzberger vorgetragen. Man kann ihm nur den Mut wünschen, diese Aussagen jetzt endgültig zu beenden.Der Begehungsbericht von Seygerecht Reinhard Suchier aus dem Jahre 1879 von der Sieburg ist selbstverständlich für die Forschung wichtig. Sein Original gehört daher in ein Archiv. Allerdings passt diese Aufzählung, bei der es ganz überwiegend darum geht, minutiös zu beschreiben, wo und welcher Stein angetroffen wurde und dies über vier Seiten hinweg, nicht in ein Buch, das für die breite Öffentlichkeit bestimmt ist.Aus der Zeit nach Germanicus bis zum Kaiser Maximinus Thrax im frühen dritten nachchristlichen Jahrhundert waren bisher in Nordhessen keine Spuren römischer Präsenz bekannt, obwohl es nach aller Wahrscheinlichkeit ja geradezu sicher ist, dass auch in dieser Zeit Römer die nordhessische Gegend aufsuchten. An dieser negativen Spurenlage haben die beiden Buchautoren auch nichts ändern können. Aber sie beschreiben das, was zu diesem Thema gehört, recht detailliert, wobei sie gekonnt vieles in die größeren Zusammenhänge stellen.Abschließend ist festzustellen: Nach meiner Einschätzung entspricht das Buch nicht einer typischen wissenschaftlichen Arbeit, bei der es um ein engbegrenztes Forschungsthema geht, das in ausführlicher Diskussion vertiefend erörtert werden soll. Der Kardinalfehler, der bei der Anfertigung des Buches sich eingeschlichen hat, resultiert aus der Übernahme von Gedankengut des Walter Würfel, das dieser in seiner 2005 herausgegebenen Schrift „Die Schlachtfelder der Varus-Armee“ publiziert hat. Würfel lässt hier seiner reichen Phantasie freien Lauf und macht sich in der Regel auch nicht die Mühe, seine Aussagen durch archäologische Funde und Befunde abzusichern. Mit Methoden dieser Art sind aber neue Erkenntnisse letzten Endes nicht zu gewinnen. Gerade bei einem Schlachtfeld müssten ja noch viele Relikte im Boden zu finden sein, wie auch die Untersuchungen z. B. bei Kalkriese und am Harzhorn so überaus deutlich gezeigt haben. Das Buch hat vor allem aber seinen Wert als Lektüre für den interessierten Laien, der sich an gut lesbarem Text informieren möchte.Kassel, im Januar 2018.Helmut Saehrendt