Read Das Wirken in den Dingen: Vier Vorlesungen über den Zhuangzi (Fröhliche Wissenschaft) by Jean Francois Billeter Online

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Das in der Zeit der Streitenden Reiche entstandene Werk des chinesischen Gelehrten Zhuangzi gilt als Grundlagentext des Daoismus, wird aber blicherweise als unergr ndlich f r unseren westlichen und modernen Blick erkl rt Jean Fran ois Billeter wendet sich gegen diese verharmlosende Exotik und behauptet Zhuangzis Schriften sind verst ndlich und offenbaren den Meister als subversiven Philosophen radikaler Autonomie Mehr als das Durch die Konfrontation mit Denkern wie Wittgenstein, Kleist und Montaigne entsteht ein mehr als zweitausend Jahre berspannendes intellektuelles Gespr ch, das auf die grundlegenden Fragen der neueren Philosophie zielt So macht Billeter nicht nur einen der sch nsten Texte der chinesischen Geistesgeschichte endlich zug nglich, sondern pointiert auch sein Ersch tterungspotenzial f r unser heutiges Leben, denn Vielleicht sind wir sogar die Leser, die Zhuangzi sich gew nscht h tte....

Title : Das Wirken in den Dingen: Vier Vorlesungen über den Zhuangzi (Fröhliche Wissenschaft)
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ISBN : 3882213868
ISBN13 : 978-3882213867
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : Matthes Auflage 1 24 Februar 2015
Number of Pages : 191 Pages
File Size : 692 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Das Wirken in den Dingen: Vier Vorlesungen über den Zhuangzi (Fröhliche Wissenschaft) Reviews

  • Amazon Kunde
    2019-03-24 00:05

    Lohnt sich zu lesen, bringt Verwirrung und Klarheit, die GradmesserDer eigenen persönlichen EntwicklungGuter Überblick, neues Verständnis der alten Texte

  • F. A.
    2019-04-01 04:46

    Als Taiji-Lehrer habe ich eine besondere Beziehung zur asiatischen Philosophie, wenn mir auch nicht jedes Werk und vor allem jede westliche Interpretation vor Weisheit zu strotzen scheint. So mancher tradierter Gedanke führt m.E. eher in die Irre als zu höherem Bewusstsein. Nicht so bei Billeter, der für mich kostbare Schätze gehoben hat und den der Klappentext völlig zu Recht als „Revolutionär seines Fachs bezeichnet, der “die konventionellen westlichen Interpretationen der chinesischen Kultur grundlegend in Frage stellt“Ich will dies an einem Thema veranschaulichen, das mich als ständiges Grundthema in meiner beruflichen Tätigkeit als Taiji-Lehrer begleitet: Das Verhältnis zwischen dem Himmlischen und dem Menschlichen.„Was verstehst du unter dem Himmel (tian) und was unter dem Menschlichen (ren)? fragt der Graf des Flusses. Der Herr des Nordmeeres antwortet: Pferde und Büffel haben vier Beine – das nenne ich Himmel (tian). Dem Pferd ein Halfter anlegen und dem Büffel die Schnauze durchbohren – das nenne ich das Menschliche (ren).“ (Zhuangzi, bei Billeter S. 47.)Es handle sich aber nicht um den Gegensatz von Natur und Kultur, so Billeter, sondern um zwei verschiedene Arten der Aktivität: „Deshalb sage ich, so fährt der Herr des Nordmeers fort: Achte darauf, dass das Menschliche nicht das Himmlische (in dir) zerstört; achte darauf, dass das Intentionale (gu) nicht das Notwendige (ming) (in dir) vernichtet“. (Zhuangzi, bei Billeter S. 48.)Billeter geht es darum, das Zhuangzi als Wegweiser für ein neues Paradigma der Subjektivität zu entdecken, die uns – konkret: unsere Körperlichkeit – aus dem Gefängnis des Cartesianischen Dualismus befreien kann: Unseren Körper nicht als “Objekt oder Maschine des Geistes, im Sinne Descartes“ aufzufassen und zu gebrauchen, sondern als „Gesamtheit der Kräfte und Fähigkeiten, der uns bekannten und unbekannten, wie sie uns zur Verfügung stehen oder uns bestimmen“ (S. 143) und unsere Autonomie zu gewinnen. So verstanden wäre menschliches Tun eines, das den Körper instrumental gebraucht, und himmlisches Tun die Aktivität, die aus ebendieser Gesamtheit entspringt.Himmlisches Tun ist gewissermaßen das Ziel des Taiji: sich so zu bewegen, “dass das Menschliche nicht das Himmlische (in dir) zerstört“. Wer beginnt, die Taiji-Bewegungen zu erlernen, greift aber so gut wie immer zum Menschlichen in sich: Die Absicht, die Bewegungen auszuführen, kann nur umgesetzt werden, wenn man den Körper als Objekt gebraucht, den man hat. Man tut etwas. Das Menschliche ist so übermächtig, kann in dieser Phase des Lernens gar nicht anders sein – in der das Himmlische aber nicht zerstört wird, weil es noch gar nicht zum Leben erweckt wurde.Erst im Lauf der jahrelangen Übung des Taiji tritt dann das Himmlische hervor: die gelernten und lange geübten Bewegungen beginnen, mehr und mehr von selbst zu leben, sie werden „ Ausdruck der Gesamtheit unserer Kräfte und Fähigkeiten“ und entfalten die Dimension des Körpers als Leib, der man ist. Es geschieht etwas, was wir in Gang bringen, das aber ein Eigenleben entfaltet, unabhängig von unserem „Machen“. Wie sehr die beiden Modi zusammenhängen und als Aktivitäten ineinander verschränkt sind, zeigt die Rolle des wachen Bewusstseins, das die Bewegungen führt und begleitet: Zu Beginn als (willentliche) Vorherrschaft des Geistes, der das Objekt Körper bewegt, später als (intentionale) Führung, die die Bewegungen des „Körper/Leibes“ in Gang bringt und lenkt.Diese Polarität im Spektrum der Aktivitäten, die uns möglich sind, bringt Billeter (an anderer Stelle) auf den Punkt durch den Begriff des wu wei.„Warum weiterhin wuwei mit Nichthandeln übersetzen? Denn so richtig diese Übersetzung in rein wörtlicher Hinsicht auch sein mag, ist sie dem Sinn nach falsch, weil das Verb wei `willentlich handeln` bedeutet, und wuwei somit keinesfalls ein `Nichthandeln` meinen kann (…) sondern ein `Handeln, das nichts erzwingt`.(…) Das berühmte wu wei er wu bu wei, zum Beispiel, wäre nicht mehr durch das herkömmliche `wer sich im Nichthandeln übt, dem gelingt alles Handeln` übersetzt worden, sondern durch `wer nichts erzwingt, dem gelingt alles`.“ („Gegen Francois Jullien“, Berlin 2015, S.110, noch ein 5-Sterne-Buch nach meiner Ansicht),Versuche, die Führungsrolle des Bewusstseins aufzugeben und sich dem Fluss der Bewegungen und der „Energie“ passiv zu überlassen, missverstehen den Weg, die eigene Aktivität von der menschlichen zur himmlischen Stufe zu entfalten indem sie „Nicht-Handeln“ einfach an die Stelle des „Handelns“ setzen. Aber das Himmlische (oder wie auch immer es esoterisch umschrieben wird) kann nur durch ein Tun gewonnen werden, das nichts erzwingt – und nicht durch den Rückweg in die Ungeschiedenheit von Subjekt und Objekt, wie sie uns vor dem Entstehen unseres Ich-Bewusstseins bestimmte. Auch und erst recht nicht wenn wir heute die „verlorene Unschuld“ beklagen und wieder gewinnen möchten. Das geht nicht, wie Billeter am Beispiel des „Marionettentheaters“ von Kleist zeigt. Stattdessen braucht es die entfaltete menschliche Aktivität, wie er sie anhand der Geschichten des Zhuangzi erläutert.Nur durch diese sich entwickelnde Aktivität kann der Mensch vom Menschlichen zum Himmlischen sich fortentwickeln, durch „die Paradigmen des Lernens, der Geste, der Formen der Aktivität und der Übergänge von einer Form zur anderen, der himmlischen Aktivität tian und der menschlichen Aktivität ren, des betrachtenden Bewusstseins you, der Leere und der Verwirrung, des aus Aktivität bestehenden Körpers“. (S 141) Das ist für mich eine zentrale Erkenntnis, die das Zhuangzhi so wichtig macht für uns heute. Gefunden habe ich sie im vorliegenden Buch, in meiner Tätigkeit habe ich sie jahrelang verfolgt und kann bestätigen: Sie ist durch und durch wahr.Meine Lese-Erfahrung bestätigt: „In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser seiner selbst.“ (Proust, vom Autor zitiert auf S. 136). Aus Sicht meiner Wirklichkeit als Taiji-Lehrender und -Lernender ist der Wert dieses Buches kaum zu überschätzen. Faszinierend und lohnenswert für alle, die sich in ihrem Leben ernsthaft mit dem Menschlichen zu verbinden suchen und das Interesse haben, sich selbst zum Himmel aufzurichten.