Read Bildnis und Botschaft: Hermeneutische Untersuchungen zur Bildkunst der römischen Republik by Luca Giuliani Online

Title : Bildnis und Botschaft: Hermeneutische Untersuchungen zur Bildkunst der römischen Republik
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ISBN : 3518578189
ISBN13 : 978-3518578186
Format Type : Audio Book
Language : Deutsch
Publisher : Suhrkamp Verlag Auflage 1 21 September 1986
Number of Pages : 370 Pages
File Size : 695 KB
Status : Available For Download
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Bildnis und Botschaft: Hermeneutische Untersuchungen zur Bildkunst der römischen Republik Reviews

  • M. Thomas
    2019-03-23 06:11

    In dem Werk ‚Bildnis und Botschaft' untersucht Luca Giuliani die Entwicklung der antiken Porträtdarstellung. Den Ausgangs- und Endpunkt der Studie bildet eine Büste des Pompeius Magnus. Giuliani nähert sich ihr von unterschiedlichen Seiten und berücksichtigt sowohl die historischen Aspekte der Bildnissprache als auch das Urteil der Zeitgenossen, wie z.B. dasjenige Ciceros.Wer die vatikanischen Museen besucht, sollte sein Interesse nicht ausschließlich der Sixtinischen Kapelle und den Stanzen des Raffael widmen. Auch die Sammlung antiker Porträts im Museo Chiaramonti verdient Aufmerksamkeit. Bewundernswert sind die Bildnisse der Kaiser Augustus, Trajan und Hadrian, die in Siegerpose auf ihren Sockeln thronen. Dagegen sucht man in den Gesichtszügen des Kaisers Claudius nach jenen Anzeichen von Schwäche und Kraftlosigkeit, aufgrund derer ihn Seneca mit beißendem Spott überschüttet. Dieser physiognomische Lehre Lavaters, derzufolge die menschlichen Gesichtszüge Ausdruck des Charakters seinen, widersprach bereits Lichtenberg. Giuliani folgert: „Es geht nicht um die Diagnose eines Charakters sondern um das Verstehen einer Botschaft". Allerdings ist diese „Sprache" nicht zeitlos. Sie kann nur im Kontext der jeweiligen Epoche verstanden werden.Die griechischen Bildnisse des sechsten vorchristlichen Jahrhunderts zeichneten sich neben ihren gleichmäßigen Gesichtszügen vor allem durch eine Tatsache aus: sie lächelten. Dieses Lachen galt als ein Zeichen der Schönheit und wird auf die Göttin Aphrodite zurückgeführt. Bewegte oder gar verzerrte Gesichtszüge blieben zu jener Zeit Tieren und Dämonen vorbehalten. Ein Jahrhundert später veränderte sich die Darstellung der Porträts. Das Lächeln wich einem gelassenen Ausdruck. Statt dessen finden wir als Zeichen der Lebendigkeit den leicht geöffneten „atmenden" Mund. In Theatermasken der damaligen Zeit werden zum ersten Mal menschliche Emotionen sichtbar.Ein weiteres Jahrhundert später erkennen Aristoteles und Xenophon in der ernsten Mine ein Zeichen der Klugheit. Senkrechte Falten zwischen den Augenbrauen kennzeichnen den nachdenklichen Philosophen. Porträts der Herrscher hingegen werden mit zusammengezogenem Gesicht, gefurchter Stirn und zur Mitte hin hochgezogenen Brauen dargestellt.Der Übergang zur römischen Bildkunst bildet das Porträt eines Dichters aus dem zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, in dem Giuliani den berühmten Ennius erblickt. Aus der Beschreibung des Plinius wissen wir von einer Statue des Dichters, die das Grabmal der Scipionen in der via appia schmückte. Giuliani folgert, dass die Statue des Ennius „aus dem Familiendenkmal ein Denkmal römischer Geschichte schlechthin werden" lässt. Das Ennius Denkmal bildete mit den Statuen der Brüder Lucius und Publius Africanus eine Figurengruppe. Die Bilder der beiden sind jedoch bislang unbekannt. In der Münchener Glyptothek befinden sich zwei römische Porträts, die als „Marius" und „Sulla" bekannt sind. Es wäre doch denkbar, überlegt Giuliani , dass die beiden Porträts identisch sind mit den gesuchten Scipionen. Auffallend ist nämlich das ungewöhnlich lange Haar des Sulla Porträts, welches nach dem Urteil des Livius als unverwechselbares Merkmal des Publius Africanus galt.Das Greisenalter besaß in der römischen Republik hohes Ansehen. Dem entsprechend finden wir auch Bildnisse, welche die „Autorität der Reife" (Cicero) ehren.Der Bürgerkrieg zu Beginn des ersten vorchristlichen Jahrhunderts einerseits und der Terror, der durch die organisierten Schlägerbanden der Volkstribunen entstand, auf der anderen Seite bewirkte in der Öffentlichkeit eine gewisse Verunsicherung. Die Bildniskunst trug dem Rechnung, indem öffentlich aufgestellte Büsten einen besänftigenden und beruhigenden Gesichtsausdruck aufwiesen. Porträts, die das strenge Gesicht der Macht symbolisierten, konnten sich nur Politiker wie z.B. ein Crassus erlauben, die nicht im Verdacht standen, mit Gewalt nach der Macht zu greifen. Die beiden Protagonisten jener Zeit, Caesar und Pompeius Magnus, verzichteten auf eine allzu offene Mimik.Pompeius wurde bereits im Alter von 24 Jahren von seinen Truppen als Magnus geehrt. Für einen Römer ein ganz und gar ungewöhnlicher Akt. Sein großes Vorbild war Alexander der Große, dem er auch in seinem Äußeren nacheiferte, etwa in der Frisur. Die Basis seiner Macht rekrutierte sich aus der Gefolgschaft seiner Soldaten. Andererseits aber buhlte er um die Gunst der Senatoren, denen jedoch seine Militärmacht suspekt erschien und Angst einflößte. Die Porträts des Pompeius versuchen den Erwartungen beider Gruppen gerecht zu werden - und wirkt deshalb auf uns ambivalent. Haarpracht und Stirnfalten verkörpern den starken Führer. Die Mundpartie aber wirkt entspannt, fast lächelnd und damit versöhnend. Dem zeitgenössischen Betrachter mag das Bildnis folgende Botschaft übermittelt haben: „Ich, Pompeius Magnus, Sieger über Afrika, Europa und Asien bin dem Senat und dem Volke Roms stets treu ergeben."