Read Die Enden der Parabel: Gravity's Rainbow. Roman by Thomas Pynchon Online

Title : Die Enden der Parabel: Gravity's Rainbow. Roman
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ISBN : 349940057X
ISBN13 : 978-3499400575
Format Type : PDF
Language : Deutsch
Publisher : Rowohlt Taschenbuch Auflage Rowohlt Jahrhundert Band 57 Dezember 1993
Number of Pages : 568 Pages
File Size : 665 KB
Status : Available For Download
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Die Enden der Parabel: Gravity's Rainbow. Roman Reviews

  • junior-soprano
    2019-04-05 05:46

    Ein irrer Trip! Es beginnt und endet abrupt, man kann nicht absehen, was als nächstes passiert. Manches was geschieht ist langweilig, vieles hoch interessant und überraschend, einiges ist eklig. Und am Ende ergibt alles überhaupt keinen Sinn. So wie im richtigen Leben.Trotzdem wird es der Leser nicht bereuen, die fast 1200 Seiten zu lesen, denn hinterher fühlt man sich seltsam verändert. Der geistige Horizont ist auf einmal viel weiter geworden. Thematisch geht es hauptsächlich um das Aggregat 4, die so genannte V2, Hitlers Wunderwaffe. Man erfährt einiges über die Rakete und das Land in dem sie entwickelt wurde, also Deutschland. Die Hauptfigur des Romans, der Amerikaner Slothrop, sammelt Informationen über die Rakete. Immer wieder schweift Pynchon ab und berichtet von ganz anderen Dingen. Es geht viel um Sex und Drogen, Macht und Ohnmacht, Politik, Geschichte, Technik u.v.a. Immer wieder wird die Erzählung durch Gedichte, Liedtexte und kleine Geschichten unterbrochen. Obwohl Thomas Pynchon offensichtlich sehr gründlich für dieses Buch recherchiert hat und man erst mal von den vielen Informationen beeindruckt ist, fällt bei näherer Betrachtung auf, daß hier nur mit Wissen geprotzt wird. Alles bleibt oberflächlich und wird nur kurz angerissen, um gleich wieder vom nächsten Thema abgelöst zu werden. Der Leser, der eine herkömmliche Geschichte erwartet, wird verwirrt sein und den Roman vielleicht enttäuscht weglegen. Der klassische Aufbau einer Geschichte mit Einleitung, Höhepunkt und Schluß wird in „Die Enden der Parabel" nicht angewandt, statt dessen wirkt alles wie ein großer Flickenteppich, quasi ein Amerikanischer Quilt. Um es nicht ganz so kompliziert zu gestalten, hält sich Pynchon aber zumindest an die chronologische Reihenfolge.Auch wenn man am Ende nicht recht weiß, was Thomas Pynchon mit diesem Buch erreichen und aussagen wollte, ist jede einzelne Seite dieses Romans eine Bereicherung der Weltliteratur. „Die Enden der Parabel" liest man nicht wegen der (fehlenden) Auflösung am Ende, sondern der reinen Freude des Lesens wegen, der Weg ist das Ziel!

  • Miroslav Mamic
    2019-04-03 23:45

    Während klassische Prosa aus einer Reihe von Handlungs- "Paketen" besteht, die sich immer weiter fortsetzen und am Ende ein großes Ganzes ergeben, so folgt "Gravity's Rainbow" oder in Deutsch "Die Enden der Parabel" einem anderem Schema: Man begegnet Handlungspartikeln die chaotisch verstreut, zersplittert, zerbröselt und grundsätzlich strukturlos im Buch verteilt sind.Doch was will uns Pynchon damit sagen? Welches Konzept lenkte seine Schreibwut?Auf diese Frage lässt sich keine klare Antwort geben, und so wird jeder Leser das Gefühl haben nur etwa 30-50% des Buches wirklich gelesen zu haben, geschweige denn verstanden! So wie es den Protagonisten oft ergeht, dass sie von den Strömungen des Lebens hin und her geworfen werden, von ihren Neigungen, Wünschen, Trieben zerteilt, von ihren Gedanken zerstreut und vom Leben grundsätzlich fast zufällig behandelt, so ergeht es dem Leser in den fast 1200 Seiten des Buches sehr ähnlich.Dieses Handlungspartikel-Spektrum erlaubt, trotz seiner sperrigen scheinbaren Zufälligkeit von Gedankensprüngen, Handlungsumrissen und Charakterstudien, eine Tiefe... die sich aber erst beim langsamen, aufmerksamen und vor Allem geduldigem Lesen offenbart. So kann eine banale Handlung zu einem plötzlichen "Erinnern" an vergangene Gefühle, und damit an menschliche Unklarheiten, führen, die wir alle selbst kennen und selbst wahrnehmen, aber niemals auf die Idee kommen würden sie in einem Zusammenhang zu sehen, geschweige denn in ein Buch zu schreiben. Es ist wie das Leben selbst dass an allen Ecken und Enden, an allen Zeiten, Worten, Blicken, Ahnungen, Bildern, Geräuschen, Regungen, Begegnungen, schlussendlich an allem erdenklichen, in sich selbst verknüpft und verstrickt ist, dass wir gar nicht mehr sagen können was eigentlich wirklich geschehen ist, welches Ereignis ein anderes ausgelöst hat, was wirklich real war und was nicht, welche Begegnungen entscheidend waren, welche Schalter umgelegt wurden oder welche Kugeln aneinander geklackt haben, damit die Dinge so passieren konnten wie sie passiert sind.So kann man Gravitiy's Rainbow entweder so lesen dass man nur die Handlungsspitze der Informationsberge entlang tänzelt, stets auf der Suche nach der eigentlichen voran schreitenden Handlung, dabei die Tiefe der Berge, ihr Gestein, ihre Wucht ignoriert, und mit großer Wahrscheinlichkeit aufgibt... ODER man kann sich auf den Abstieg wagen, den Weg nach unten. Man verlässt damit ganz klar die Handlung, und taucht hinab in das Leben selbst, in die Tiefen der menschlichen Seele, mit all ihren Abgründen und all ihren Lichtflecken. Und vielleicht entdeckt man etwas mit dem man was anfangen kann, vielleicht aber auch nicht. Jeder wird das Buch anders lesen, es anders verstehen, die Zeichen anders Deuten, das gewobene Netz an unterschiedlichsten Stellen versuchen zu erkennen und schlussendlich seine eigene persönliche Paranoia entwickeln, die Leitthema des Buches zu sein scheint. Wo ist der Zusammenhang? Wo ist der Sinn? Gibt es einen Sinn überhaupt? Warum erkenne ich Zeichen wieder, und bin mir dann nicht mehr sicher ob ich sie überhaupt gesehen habe?Am Ende wird man aus den Handlungsbergen auftauchen, sich bewusst werden dass man in einen Strudel hinab gezogen wurde, und sich schmerzlich klar werden dass die Handlung auf den Spitzen der Berge nicht wirklich voran geschritten ist. Doch man begegnete auf dieser anstrengenden und müde machenden Reise... dem Glück, der Trauer, dem Hass, der Freude, der Liebe, der Abscheulichkeit, den Trieben, dem Leben, dem Tod... schlussendlich dem Mensch an sich. Und so beendet man das Buch ohne wirklich das Gefühl zu haben es verstanden zu haben. Doch das ist auch nicht der Sinn. Es ist durchaus gewollt dass man manchmal nur noch mit ausgeschaltetem Kopf weiterliest, dass man ignoriert und fort fährt, auf jeden Fall nicht aufgibt.Denn wenn der letzte Satz gelesen ist weiß man worum es die ganze Zeit ging: Um einen selbst.

  • citizen kill
    2019-03-23 02:14

    Wer einfach nur "simple Story" erwartet, wird sich in der großen Literatur nicht wohl füheln. Hier ist Mitdenken, sogar Mitschaffen das Vergnügen, nicht nur schlucken. Für einfache Schullogik (pardon, es sind leider die meisten Menschen) verwirrend und nichts zu Ende gesagt, so etwas wie Gogl oder Dostoewski oder Platonov oder Kafka... Natürlich meine ich, dass sie nicht alle gleich schreiben - nein. Aber sie sind alle und noch viele andere nicht aufs nur-Erzählen "normiert", unkonventionell und kreativ, die sich nicht um Verkaufstrategien ihrer Bücher bemüht waren/sind. So macht es wirklich viel Freude, auch das zu lesen, was sie auch wirklich sagen bzw. erschaffen wollten. So schreibt auch Pynchon, in den höchsten Winden der Weltliteratur. Man weiß nie, was seinem Stift auf der nächsten Seite so alles einfällt und sich dennoch, unbedingt, der Harmonie des ganzen Buches zusammenfügen wird. Die Frage ist nur, ob der Leser auch fein ausgebildete Sensoren hat, wie sie auch für geniale Musik von Schostakovich oder Stravinski unabdingbar sind. Mir hat viel Spaß gemacht dieses Buch zu lesen, wie fast alle Romane von Pynchon.